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    19.12.2017

    Geflüchtete auf Sizilien und Kriminalisierung der Seenotrettung im Mittelmeer

    Zwei Vorträge von Judith Gleitze, Borderline Europe e.V., und Michael Schwickart, Sea Watch e.V., bilden den Abschluss der Reihe „Wertewandel? - Die Abschottung Europas gegen Schutzsuchende“, die seit Oktober im Landeshaus stattfindet.

    5. und letzten Veranstaltung der Vortragsreihe

    "Wertewandel?! - Die Abschottung Europas gegen Schutzsuchende"

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    Dienstag, 19. Dezember 2017, 18 Uhr

    im Kieler Landeshaus, Düsternbrooker Weg 70, 24105 Kiel

     

     

     

    Vortrag und Diskussion:

    "Der lange Arm der Abschottung – Situation von Geflüchteten auf Sizilien"

    Judith Gleitze, Palermo, borderline-europe e.V.

    2015 hat die EU im Rahmen der Migrationsagenda den sogenannten „Hotspot Approach“ beschlossen. In Griechenland und Italien wurden daraufhin Hotspots eröffnet, in denen Geflüchtete aufgrund ihres Herkunftslands in mehrere Klassen aufgeteilt werden – die Polizei übernimmt darin eine Aufgabe, die den Asylkommissionen vorbehalten sein sollte. Auf Sizilien befinden sich vier der derzeit fünf Hotspots in Italien, doch das System, das auch zur vermehrten Umsiedlung von Geflüchteten in andere EU-Mitgliedstaaten dienen sollte, funktioniert nicht. Geflüchtete werden oft sehr viel länger als die maximal vorgesehenen 72 Stunden in Hotspots festgehalten, unbegleitete Minderjährige teils über Wochen, da es zu wenig jugendgerechte Unterkünfte gibt. Oft führt die Einteilung der Geflüchteten in ein Zwei-Klassen-System zur sofortigen Obdachlosigkeit nach der Entlassung aus dem Hotspot oder aber sie werden in weit abgelegenen „Notfallzentren“ geparkt.

    Judith Gleitze arbeitet seit mehr als 20 Jahren im Bereich Flucht und Migration. 2007 gründete sie borderline-europe in Berlin mit, seit 2009 arbeitet sie für den Verein in dessen Außenstelle auf Sizilien. In ihrem Vortrag berichtet sie über die Situation von Geflüchteten auf der größten Insel im Mittelmeer.

     

    Vortrag und Diskussion:

    "Zivile Seenotrettung von Flüchtenden und die Kriminalisierung von Rettungsorganisationen"

    Michael Schwickart, Hamburg, Sea-Watch e.V.

    Michael Schwickart berichtet in seinem Vortrag über die Entstehung und Arbeit von Sea-Watch e. V., einem gemeinnützigen Verein, der seit 2015 zivile Seenotrettung von Flüchtenden im Mittelmeer leistet. In dieser Zeit war Sea-Watch an der Rettung von mehr als 30.000 Menschen beteiligt. In einem 15-minütigen Filmausschnitt aus einer Dokumentation werden die Arbeit und die Einsätze von Sea-Watch eindrucksvoll geschildert. Diskutiert wird anschließend die zunehmende Kriminalisierung von Rettungseinsätzen sowie die aktuelle Situation im zentralen Mittelmeer.

    Michael Schwickart ist seit 25 Jahren als Bauträger und Unternehmensberater in Hamburg selbstständig. Seit 2015 ist er bei Sea-Watch im Bereich Fundraising/Finanzen und als Crewmitglied auf dem Schiff aktiv.

    Veranstaltende:

    • Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.
    • Landesbeauftragter für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen Schleswig-Holstein
    • Borderline Europe e.V.

    Anmeldung:
    Büro des Beauftragen für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen des Landes Schleswig-Holstein
    Monika Buttler
    Karolinenweg 1
    24105 Kiel
    Tel. 0431 988-1291
    E-Mail: Monika.Buttler(at)landtag.ltsh.de
    Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen unter www.frsh.

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