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    27.04.2005

    Eltern in den Kosovo, fünf erwachsene Kinder bleiben hier.

    Neumünsteraner Abschiebung:

    Vor zwei Wochen läutete Kanzler Schröder eine neue Politik der Familienfreundlichkeit als entscheidenden Standortfaktor für die Bundesrepublik ein.
    Dass ein Politikwechsel dringend notwendig ist, zeigt das drastische Beispiel der Familie Kocan aus Neumünster.

    Kocans kamen aus dem Kosovo und leben nun seit 13 Jahren in Schleswig-Holstein. Die fünf Kinder - zwischen 18 und 26 Jahre alt - sind hier aufgewachsen, zur Schule gegangen und stehen am Beginn ihres Berufslebens. Die schleswig-holsteinische Härtefallkommission hat ihnen bescheinigt, dass sie sich gut in Deutschland eingelebt haben. Es ist zu begrüßen, dass diese Einrichtung des Innenministeriums diese sogenannten “Integrationsleistungen junger Erwachsener” besonders würdigt. Bundesweit ist das leider nicht selbstverständlich.

    Unverständlich und skandalös ist jedoch, dass den Eltern, denen mit ihrem jahrelangen schwachen Aufenthaltsstatus der Duldung die Integration schwer gemacht wurde, jetzt die Abschiebung droht, während ihre Kinder hier bleiben können.
    “Nach 13 Jahren”, so Elvisa Kocan “sollen unsere Eltern alleine nach Kosovo abgeschoben werden, und bekommen gerade mal die Zeit einen Koffer zu packen. Sie sollen hier ihre Familie zurücklassen und in ein Land gehen, das alle unsere Verwandten schon lange verlassen haben. Sie haben dort niemanden!”
    Was Kocans als unfassbare Härte empfinden - die Trennung ihrer Familie -, ist jedoch nach dem deutschen Ausländerrecht keineswegs relevant: zur Kernfamilie gehören eben lediglich die Eheleute und ihre minderjährigen Kinder.

    “Der besondere Schutz der Familie gilt auch für die Kocans. Herr und Frau Kocan müssen bleiben dürfen!” fordert der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein. Die Einführung einer Bleiberechtsregelung für langjährig Geduldete würde Härten wie diese Abschiebung vermeiden.
    “Mehr Familie. Mehr Gewinn. Für alle.” - So wirbt Gerhard Schröder indessen für Lokale Bündnisse für Familie . Eine Idee, die auch in Neumünster und anderswo um sich greifen könnte, um dem Auseinanderreißen von Familien durch Abschiebung etwas entgegen zu setzen.

    gez. Bernhard Karimi

    Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.
    T. 0431-735 000
    projekt(at)frsh.de

    Am 12. Mai 2005 um 19.30 Uhr findet in der Bürgergalerie Neumünster eine Veranstaltung zum Thema Familientrennung und Bleiberecht für Geduldete statt.

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