• Presseerklärung

    16.07.2006

    Tausende auf der Flucht vor Bombardements von Wohnvierteln.

    Flüchtlingsrat fordert Abschiebestopp und großzügige Aufnahme libanesischer Flüchtlinge.


    Im Libanon herrscht Krieg. Seit Tagen fordern israelische Bombenangriffe auf Städte im ganzen Land bis dato über Hundert Tote und tausende Verletzte. Im ganzen Land werden systematisch militärische, aber auch zivile Infrastruktur, Straßen, Brücken, Landebahnen, Sende- und Energieanlagen bombardiert. Gleichzeitig fordern Raketenangriffe der schiitischen Hizbollah auf nordisraelische Städte Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung.

    Ins Fadenkreuz der israelischen Bombardements sind offenbar vollends Wohnviertel in Beirut geraten, aber auch Kleinstädte und Dörfer im Süden des Libanon liegen unter Artilleriebeschuss. Nach israelischen Angaben zielen die Angriffe auf Einrichtungen der Hizbollah. Tatsächlich fordern sie jedoch in erster Linie nicht nur Opfer unter der schiitischen Zivilbevölkerung sondern zunehmend auch in christlichen und drusischen Siedlungsgebieten.

    Während die europäischen Regierungen und die USA ihre Staatsangehörigen zu Lande, zu Wasser und zu Luft aus dem Libanon evakuieren, bleiben zig-Tausende vor dem Bombeterror fliehende Menschen im Libanon weitgehend auf sich allein gestellt. Der libanesische Staat ist vollkommen paralysiert und internationale Hilfsorganisationen sind selbst von der Gewalt betroffen.

    • Vor diesem Hintergrund fordert der Flüchtlingsrat den schleswig-holsteinischen Innenminister Dr. Ralf Stegner auf, einen umgehenden Abschiebestopp für Personen aus dem Libanon auf.

    • Gleichzeitig appelliert der Flüchtlingsrat an die Kieler Landesregierung, vom Bund die umgehende und großzügige Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Libanon einzufordern.


    "Die Großzügigkeit, die Deutschland noch vor wenigen Jahren für die Täter im libanesisch-israelischen Konflikt hat walten lassen, sollte mindestens ebenso für die aktuellen Opfer des Krieges gelten!" fordert mit Blick auf die Aufnahme libanesischer Flüchtlinge durch Deutschland im Jahr 2000 Martin Link, Geschäftsführer beim Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein.

    Dass eine Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Libanon bei akutem Bedarf ggf. unkompliziert möglich ist, hatte die Bundesregierung im Jahr 2000 bewiesen. Deutschland nahm 400 Angehörigen der Südlibanesischen Armee (SLA) auf, von denen auch einige nach Schleswig-Holstein kamen. Die SLA Kämpfer mussten seinerzeit aus dem Libanon fliehen nachdem Israel sich nach fast zwei Jahrzehnten aus dem besetzten Süd-Libanon zurückzog. Die SLA hatte zuvor eng mit den Besatzern kollaboriert und sich dabei zahlreicher brutaler Verbrechen gegen die libanesische und im Libanon lebende palästinensische Zivilbevölkerung schuldig gemacht.

    gez. Martin Link
    Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.
    Tel.: 0431-735 000

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