• Presseerklärung

    31.08.2006

    Menschenrechtspreis der Stiftung PRO ASYL geht an den Lübecker Kapitän Stefan Schmidt

    Stefan Schmidt und Elias Bierdel kommen im September zu Veranstaltungen nach Kiel und Lübeck


    PRO ASYL ist die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge mit Sitz in Frankfurt/Main; der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein ist Mitglied.

    Der anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung von PRO ASYL erstmals verliehene Preis der Stiftung PRO ASYL geht an zwei Menschen, deren persönliches Eintreten für Flüchtlinge beispielhaft ist. Stefan Schmidt (Lübeck) war Kapitän der Cap Anamur, die vor zwei Jahren mit internationalem Aufsehen 37 Flüchtlinge im Sommer 2004 aus Seenot rettete. Außerdem geht der Preis an Ferenc Köszeg (Budapest), Vorsitzender des ungarischen Helsinki-Komitees, ist seit Jahrzehnten als Menschenrechtler aktiv. Die feierliche Preisverleihung der “PRO-ASYL-Hand 2006” findet am 09. September 2006 um 20:00 Uhr in der Evangelischen Akademie Tutzing statt. Der Preis ist verbunden mit einem Preisgeld von jeweils 1.000 Euro.

    Zu den Preisträgern:

    Stefan Schmidt: Vor der Mittelmeerinsel Lampedusa, 20. Juni 2004: Die Cap Anamur - ihr Heimathafen ist Lübeck - rettet 37 Flüchtlinge, die hilflos mit ihrem Schlauchboot im Mittelmeer treiben, aus Seenot. Kapitän Stefan Schmidt tat das, was er als seine Pflicht ansah: Er rettete Menschen aus der Seenot und wollte sie in einen sicheren Hafen bringen. Jedoch erst drei Wochen später, am 12. Juli 2004, erlauben die italienischen Behörden die Einfahrt des Schiffes in den sizilianischen Hafen Porto Empedocle. Noch am selben Tag wird der Kapitän zusammen mit dem damaligen Vorsitzenden der Hilfsorganisation Elias Bierdel sowie dem Ersten Offizier Vladimir Daschkewitsch in Untersuchungshaft genommen. Die 37 Flüchtlinge kommen sofort in Abschiebehaft und werden kurze Zeit später abgeschoben.

    Zurzeit steht Stefan Schmidt zusammen mit den anderen Beschuldigten in Italien vor Gericht. Man wirft ihnen vor, sich zu einem Schlepperring zusammengeschlossen und in einem besonders schweren Fall der “illegalen Einschleusung” schuldig gemacht zu haben. Stefan Schmidt: “Was wir getan haben - also hilflose Menschen, die in einem Schlauchboot über das Meer treiben, aus Seenot zu retten - hätte jeder anständige Mensch getan. Ich würde auch in Zukunft nie anders handeln, daran kann mich kein Gericht der Welt hindern.” Die Stiftung PRO ASYL ehrt ihn für seine Zivilcourage und seine Menschlichkeit.

    Kapitän Stefan Schmidt und der ehemalige Vositzende des Komitee Cap Anamur, Elias Bierdel, kommen am 18. und 19. September zu Informationsveranstaltungen und Lesungen aus Bierdels neuem Buch "Ende einer Rettungsfahrt" nach Kiel und Lübeck. Dabei werden sie die Tragödie der afrikanischen Boat People auch anhand bislang unveröffentlichter Fotos und Dokumente darstellen.
    Informationen unter: www.frsh.de/termine.html#cap

    Ferenc Köszeg: Der zweite Preisträger Ferenc Köszeg kämpft in Ungarn seit Jahrzehnten für die Bürger- und Menschenrechte. Er ist Gründer des European Roma Rights Centers, des ungarischen Helsinki-Komitees und anderer Institutionen. Gegenwärtig gilt das Augenmerk seiner Arbeit dem Schicksal von Flüchtlingen an der Grenze Ungarns zur Ukraine. Ferenc Köszeg hat zusammen mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern zahlreiche Menschenrechtsverletzungen dokumentiert und die katastrophalen Verhältnisse in den Flüchtlings- und Haftlagern der Ukraine an die Öffentlichkeit gebracht.

    gez. Martin Link, Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V. 

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