• Presseerklärung

    10.12.2020

    Leuchtturm des Nordens 2020 geht an das Kollektiv Afrodeutscher Frauen

    Beispielgebendes Engagement des Verein zur Förderung und zum Empowerment Schwarzer Frauen und Mädchen in Schleswig-Holstein wird am Internationalen Menschenrechtstag vom Flüchtlingsrat ausgezeichnet.

    Diesjährig am 10. Dezember, dem Internationalen Menschenrechtstag, hat der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V. den Opens external link in new windowLeuchtturm des Nordens - seinen Preis für herausragendes Engagement in der Solidaritätsarbeit an den schleswig-holsteinischen Verein Kollektiv Afrodeutscher Frauen - KOA verliehen.

    KOA hat sich die Förderung des Empowerments Schwarzer Frauen und Mädchen in Schleswig-Holstein auf die Fahnen geschrieben und verfolgt dieses Ziel aus Sicht des Flüchtlingsrates beeindruckend erfolgreich.

    „Mitten in diesen Zeiten, in denen Alltagsrassismus und strukturelle Ausgrenzung vermeintlich nicht Dazugehöriger in Politik und Gesellschaft wieder spürbar mehr Platz greifen, hat sich KOA gegründet“, erklärt Martin Link, Geschäftsführer beim Flüchtlingsrat SH.

    „Uns hat beeindruckt, dass KOA nicht in Deckung geht. Der Verein vernetzt People of Color in Schleswig-Holstein nicht im Hinterzimmer, sondern geht mit mutigen kreativen Aktionen in die digitale und analoge öffentliche antirassistische Offensive“, begründet Link die Entscheidung für die diesjährigen Preisträgerinnen.

    Marie-Luise Bayrhammer von der Seebrücke Kiel hielt die Laudatio, die traditionell durch die Opens external link in new windowPreisträger*in des Vorjahres gehalten wird: „Im November 2018 gründete sich das Kollektiv Afrodeutscher Frauen (KOA), um ein Safe Space für Schwarze Frauen in Kiel zu sein.“ Sie hätten in Kiel einen sicheren Ort geschaffen, an dem sie über ihre eigenen Erfahrungen sprechen und sich gegenseitig empowern könnten, lobt Bayrhammer: „In diesem Safe Space werden ihnen ihre rassistischen Erfahrungen nicht abgesprochen, wie sonst in unserer Gesellschaft.“

    KOA beschäftige sich aber nicht nur mit sich selbst, sondern sei öffentlichkeitswirksam antirassistisch engagiert, freut sich die Laudatorin: „KOA hat durch Ausstellungen und Poetry Slams, durch Filmvorführungen und Lesungen einen wichtigen Platz in Kiel eingenommen.“ Sie brachten das Projekt ‚Homestory Deutschland‘ nach Kiel. Zusammen mit anderen Initiativen hätten sie den Black History Month realisiert und zu den Black Lives Matter Demonstrationen in Hamburg und Flensburg mobilisiert. „Durch die ‚Stolperbrocken‘ zum Tag der Deutschen Einheit wurden uns und den Vorbeilaufenden an der Kiellinie eigene rassistische Verhaltensweisen vor Augen geführt“, erklärt die Laudatorin Bayrhammer.

    Letzteres Anliegen richte sich ausdrücklich nicht allein an die Mehrheitsgesellschaft, sondern auch an vermeintlich solidarische Kreise, betont Bayrhammer: „Während der Großteil linker und gesellschaftskritischer Bewegungen in Schleswig-Holstein überwiegend bis ausschließlich weiß geprägt ist, fordert KOA zu Recht ihren Platz für Schwarze und feministische Themen ein. Immer noch sind auch aktivistische Räume oft kein sicheres Umfeld für von Rassismus und Sexismus betroffene Personen.“ Darum verdiene KOA ganz besonders den heute verliehenen Preis, erklärt Bayrhammer: „KOA, ihr seid ein Empowerment-Leuchtturm, der Schwarzen Frauen in dieser Gesellschaft gegenseitigen Halt gibt und uns allen die Richtung anzeigt.“

    In ihrer Dankesrede hob Mariam Touré als Sprecherin des Kollektivs Afrodeutscher Frauen zunächst auf die Entstehungsgeschichte ihrer Initiative ab: „Wir haben uns vor über zwei Jahren in einem Wohnzimmer zusammengefunden und in einer kleinen Gruppe überlegt, wie wir Schwarze Frauen und Mädchen in Kiel vernetzen können.“

    Dabei habe bei KOA von Beginn an die Vielfalt der Akteurinnen, ihrer Erfahrungswelten und mögliche Strategien, ihrer Anliegen gerecht zu werden, im Zentrum gestanden, erklärt Touré das Ziel, „wie wir einen Raum schaffen können, für Schwarze, afrodeutsche, afrikanische und afrodiasporische Frauen, mit unterschiedlichen Biografien, Interessen, Wünschen und Marginalisierungserfahrungen.“

    Von Anfang an hätten die Mitglieder von KOA hohe Ansprüche an sich selbst formuliert und seien seither im ständigen internen Prozess des Lernens und des Nachjustierens – auch mit Blick auf ihr antirassistisches öffentliches Engagement in der Gesellschaft.

    Die Übergabe des Leuchtturms des Nordens erfolgte durch Martin Link und Aurelie Bile Akono vom Flüchtlingsrat an Mariam Touré, Marissa Zavazava und Lara Engelhardt von KOA.

    Der undotierte Preis "Opens external link in new windowLeuchtturm des Nordens" wird vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein seit 2005 alljährlich am 10. Dezember, dem Internationalen Menschenrechtstag, an Personen oder Gruppen verliehen, die sich in beispielgebender Weise für in Schleswig-Holstein lebende Geflüchtete, gegen Diskriminierung und für die Durchsetzung der Menschenrechte engagieren.

     

    Mehr Informationen mit den Manuskripten aller gehaltenen Redebeiträge und Fotos von der Verleihung auf der Web-Seite des Opens external link in new windowLeuchtturms des Nordens 2020

    Pressekontakt: Martin Link, T. 0431-5568 5640, ml@frsh.de


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