• Presseerklärung

    06.11.2006

    Klimawandel für zunehmendes Flüchtlingselend verantwortlich.

    Flüchtlingsrat fordert Hilfe durch großzügige Flüchtlingsaufnahme.

    Angesichts der am heutigen Montag in Kenias Hauptstadt Nairobi beginnenden Weltklimakonferenz weist der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein auf die besondere Not der Menschen in Afrika hin. Nach allen Voraussagen der Wissenschaftler wird ihr Kontinent am härtesten vom Klimawandel betroffen sein. Niederschlagsgebiete werden sich weiter verlagern und insbesondere in Westafrika wird sich die Wüste weiter ausdehnen. Bereits jetzt schwillt die Zahl der Umweltflüchtlinge im Besorgnis erregenden Ausmaß an. Immer mehr Bauern müssen die Landwirtschaft aufgeben, weil sie den trockenen Böden keinen Lebensunterhalt mehr abringen können.

    Angesichts dessen ist der Umgang der europäischen Länder mit afrikanischen Flüchtlingen besonders verwerflich, meint Flüchtlingsrat-Sprecher Martin Link. Einerseits ist Europa - ganz im Gegensatz zu den afrikanischen Ländern - einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Andererseits verschließt es seine Grenzen für Flüchtlinge aus dem Süden. Die Folge des rigiden Grenzregimes an den Küsten Spaniens, Italiens und Griechenlands, das nicht zuletzt auf Drängen der Bundesregierung eingeführt wurde, sind jedes Jahr mehrere hundert möglicherweise tausende Tote. Sie ertrinken im Atlantik und Mittelmeer, weil Not und Verzweiflung sie zu waghalsigen Überfahrten treibt. Opfer, die ein geregeltes europäisches Aufnahmeverfahren überflüssig machen würde.

    Dabei könnte Europa mit konsequenter Einhaltung der Genfer Flüchtlingskonvention mittelbar auch einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung in Afrika - und damit auch indirekt zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels - leisten. Weltweit leben inzwischen fast 200 Millionen Menschen außerhalb ihrer Heimatländer, rund doppelt so viel wie vor 30 Jahren. Zwei Drittel von ihnen sind Wanderarbeiter oder Flüchtlinge aus Entwicklungsländern. Der Teil ihres Lohns, den sie in ihre Heimatländer überweisen übertrifft die Summe aller von den Industriestaaten geleisteten Entwicklungshilfe um fast das Doppelte. Der Betrag nimmt weiter rasch zu, wie unlängst auf einem Sondergipfel der Vereinten Nationen zum Thema Migration festgestellt wurde, und könnte in den nächsten Jahrzehnten wesentlich helfen, das Gefälle zwischen Nord und Süd abzuflachen. Es wird Zeit, dass die europäischen Regierungen aufwachen und die globalen Realitäten zur Kenntnis nehmen, meint Martin Link.

    gez.: Martin Link
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