• Presseerklärung

    24.11.2020

    Gewalt gegen Frauen eskaliert weltweit

    Zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November:

    Flüchtlingsrat fordert Abschiebungsschutz und dezentrale Unterbringung für geflüchtete Frauen

    Im Schatten sich weltweit potenzierender Konflikte geraten insbesondere Frauen und Mädchen in schier unendliche Spiralen männlicher Gewalt.

    Sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt ist z. B. in Afghanistan weit verbreitet. 87 % der Frauen haben Gewalt erfahren, 62% Prozent mehrfach. Die Gewalt reicht von Körperverletzung, Misshandlung, Zwangs- und Kinderehen, Vergewaltigungen / Sexueller Gewalt bis hin zu Mord. In 42 % der Familien sind Kinderzwangsehen üblich. Im Zeitraum 2015 bis 2017 wurden im Land 280 Ehrenmorde gezählt, nur 50 Täter sind verurteilt worden. Die Durchsetzung von Frauenrechten sei mit Blick auf „die gesellschaftlichen Gegebenheiten und eine überwiegend männliche Richterschaft“ kaum aussichtsreich beklagt dasOpens external link in new window Auswärtige Amt.

    Schon auf dem Weg nach Libyen werden insbesondere geflüchtete Frauen von Menschenhändlern in Lagern interniert. Dort ist Gewalt einschließlich sexualisierter Folter üblich. Frauen werden so lange misshandelt und vergewaltigt, bis sie verbluten und sterben. Jungen müssen ihre Schwestern vergewaltigen. Mit Videos der Taten werden die Familien der Opfer erpresst. Bei wem nichts zu holen ist, wird als Sklavin verkauft oder getötet, berichtet die nOpens external link in new windowWomen’s Refugee Commission. Es gelingt den wenigsten, über das Meer zu entkommen. Die von der EU unterstützte libysche Küstenwache fängt die Flüchtenden ab und bringt sie in die Folterlager zurück. Da der Gewinn der Schlepper gesunken ist, vollziehen sie mit Folter und Erpressung ein alternatives Geschäftsmodell.

    Weltweit wird Gewalt gegen Frauen inzwischen als „Schattenpandemie“ von COVID-19 bezeichnet. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen forderte einen „Waffenstillstand in Bezug auf häusliche Gewalt“. Im Rahmen einer Opens external link in new windowIRC-Studie wurden geflüchtete Frauen in 15 afrikanischen Ländern befragt: 73% berichten über einen Anstieg der häuslichen Gewalt, 51% geben an, es gäbe mehr sexualisierte Gewalt, 32% erklären, Früh- und Zwangsverheiratung hätte zugenommen.

    Der Anstieg der häuslichen Gewalt ist weitgehend auf Kontakt- und Mobilitätsbeschränkungen, die zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie verhängt wurden, zurückzuführen. Dadurch sind gefährdete Frauen und Mädchen ihren Peinigern noch schutzloser ausgeliefert. Das gilt auch für Opens external link in new windowFlüchtlingslager in Deutschland, wo unter Corona die häusliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen zugenommen hat.

     

    Anlässlich des Internationalen Tags der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen fordert der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein:

    • Bleiberecht statt Abschiebungen von Frauen aus Afghanistan und anderen Kriegsherden
    • Aufnahmeprogramme für in libyschen Lagern internierte Gewaltopfer statt Abschottung gegen Fliehende
    • Räumung der Lager und dezentrale Unterbringung für Geflüchtete in Deutschland

     

    Hintergrund:

    Durch die Vereinten Nationen ausgerufen, zur Erinnerung an die Verantwortung staatlicher Akteur*innen gegenüber Mädchen und Frauen und deren Schutz vor körperlicher, sexueller und/oder seelischer Gewalt, wird auch 2020 am 25. November der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen.

    Studien belegen zur Entwicklung weltweit und Betroffene berichten hierzulande, dass pandemiebedingt 2020 die Zahl der Mädchen und Frauen, die von häuslicher Gewalt bedroht oder betroffen sind, stark zugenommen hat.

    Neben dieser allarmierenden Entwicklung ist Gewalt in all ihren schrecklichen Erscheinungsformen Alltag vieler Mädchen und Frauen – in Deutschland, Europa und der Welt. Neben häuslicher Gewalt sind in diesem Bereich auch Zwangsprostitution, sexuelle Gewalt, Sextourismus, Vergewaltigung ebenso wie Genitalverstümmelung und Zwangsheirat zu nennen. Sexuelle Gewalt und Vergewaltigung wird als Kriegswaffe eingesetzt, um Betroffene einzuschüchtern oder zu vertreiben. Um sich selbst oder die eigenen Töchter vor Genitalverstümmelungen oder Zwangsheirat zu schützen, werden Menschen zu Geflüchteten. Wobei auf allen Fluchtwegen sich jegliche Art von Gewalt gegen Mädchen und Frauen richtet.

    gez. Kirstin Strecker, Martin Link

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