• Presseerklärung

    23.04.2018

    Appell: Keine Abschiebungen nach Afghanistan und anderswo!

    Nach dem jüngsten Bombenanschlag in Kabul: Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein fordert Stornierung des für den 24. April geplanten Afghanistan-Abschiebungsflugs

    Vor allem Kinder und Frauen sind am Wochenende einem erneuten brutalen Bombenanschlag - vermutlich des IS - in der afghanischen Hauptstadt Kabul zum Opfer gefallen. Medien berichten von zur Stunde fast 60 Toten und über hundert Verletzten. Es traf sie, als sie vor einer staatlichen Dokumentenausgabestelle auf die von ihnen beantragten Papiere warteten, die ihnen die Teilnahme an den für Oktober geplanten Parlamentswahlen hätten erlauben sollen.

    Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein fordert Bund und Länder auf, den für morgen ab Düsseldorf geplanten Afghanistan-Abschiebungsflug umgehend zu stornieren.

    Es ist nicht nachvollziehbar, dass die für Abschiebungsanordnungen zuständigen Ausländerbehörden, die zur Überprüfung angerufenen Gerichte und die für den Vollzug verantwortliche Bundespolizei solch blutige Belege nicht ausreichen, um bei ihnen Zweifel an der Sicherheit in Afghanistan aufkommen zu lassen. Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein legt Bund, Ländern und Gerichten dringend das neue 400-seitige Gutachten der Ethologin Friederike Stahlmann ans Herz, das sie am 28.3.2018 dem Verwaltungsgericht Wiesbaden vorgelegt hat, und das gründlich mit Zweifeln über die landesweit herrschende Gewalt und die für Abgeschobene bestehenden Rückkehrgefährdungen in Afghanistan aufräumt.

    Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein appelliert gemeinsam mit dem Grundrechtekomitee und anderen Organisationen an die Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei, sich nicht zuletzt mit Blick auf die aktuelle Lage in Afghanistan, nicht an Abschiebungen zu beteiligen.

    Mehr Informationen zur Un-Sicherheitslage in Afghanistan hier. 

    gez. Martin Link

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